Gottfried Finger

Wir wissen nicht viel über Gottfried Fingers Herkunft, Kindheit und Jugend, und die Angaben zu den Stationen seines Lebens sind z. T. widersprüchlich und lückenhaft. – Eine vorläufige und grobe biographische Skizze könnte folgendermaßen aussehen: Geboren 1660 in oder um Olomouc (damals: Olmütz) in Mähren, bekam er seine musikalische Ausbildung wohl im Umfeld des kunstsinnigen Karl von Liechtenstein-Kastelkorn, der von 1664 bis 1695 Fürstbischof des Bistums Olmütz war.

Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Musiker in der fürstbischöflichen Kapelle kam Finger vermutlich über München 1687 nach London, wo er zunächst in der Hofkapelle Jakobs II., später als freischaffender Komponist, Gambist und Konzertveranstalter tätig war. Sein Opus 1 („Sonatae XII pro diversis instrumentis“, London und Amsterdam 1688) umfasst Werke für unterschiedliche Streicherbesetzungen. In seiner Londoner Zeit schuf er eine beachtliche Anzahl kammermusikalischer Werke, hauptsächlich für Gambe und Flöte.

England verließ er um das Jahr 1701 im Zwist: bei einem Kompositionswettbewerb – es ging um die Vertonung der Helena-Sage („The Judgement of Paris“, leider verschollen) – belegte er nur den letzten Platz.

Die nächste Station seines Wirkens könnte Berlin gewesen sein, wo er im Dienst der preußischen Königin Sophie Charlotte mehrere deutsche Opern schrieb, so z. B. (zusammen mit A. Stricker und J.-B. Volumier) „Der Sieg der Schönheit über die Helden“ anläßlich der Vermählung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit Sophie Dorothea im Jahre 1706.

Merkwürdig widersprüchlich ist folgender Sachverhalt: Einerseits wissen wir um sein Wirken während der ihm noch verbleibenden Zeit sehr wenig, andererseits kann man annehmen, dass er in Diensten Karl Philipps, des späteren pfälzischen Kurfürsten, ab 1708 gutdotierte Stellungen bekleidete (belegt ist seine Konzertmeistertätigkeit in der kurpfälzischen Hofkapelle im Jahr 1723). Die Stationen dieser Zeit bis zu seinem Tod dürften gewesen sein: Innsbruck, Neuburg a. d. Donau, Heidelberg, Düsseldorf und schließlich Mannheim, wo er am 31. August 1730 bestattet wurde.

Gottfried Finger dürfte insofern von einer gewissen musikgeschichtlichen Bedeutung sein, als er als einer der Väter der berühmten „Mannheimer Schule“ zu bezeichnen ist; unabhängig davon sind v. a. seine kammermusikalischen Werke wert, wiederentdeckt und gespielt zu werden.

G. Büttner, 2010

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